Interview mit Professor Bill Keevil
Interview mit Prof. C. W. Keevil, Head of the Environmental Healthcare Unit der School of Biological Sciences der Universität Southampton (Großbritannien)
Kann Kupfer helfen, die epidemische Verbreitung von Krankheiten aufzuhalten?
Will man Krankheiten effektiv vorbeugen, so sind mehrere Barrieren erforderlich, insbesondere dann, wenn die Resistenz gegen therapeutische Antibiotika ansteigt. Zu diesen Barrieren gehören vorbeugende Maßnahmen wie regelmäßiges Abwaschen der Kontaktflächen (z. B. Arbeitsoberflächen, Türgriffe, Türdruckplatten), Händewaschen (insbesondere die häufige Verwendung von Handwaschmitteln auf Alkoholbasis durch die Mitarbeiter von Krankenhäusern, um die Verbreitung von MRSA einzudämmen) und Prophylaxe (z. B. Impfung oder Behandlung mit Antibiotika). Leider sind diese Maßnahmen nicht hundertprozentig wirksam. Deshalb sind zusätzliche Barrieren notwendig: Die einfachste ist beispielsweise die Anbringung von Oberflächen, die von sich aus schon antimikrobielle Eigenschaften besitzen und die bereits bei üblichen Reinigungsmitteln und -verfahren wirksam sind. Unsere Arbeit hat erwiesen, dass Kupfer und einige seiner Legierungen in der Lage sind, Bakterien, Pilze und Viren innerhalb von Minuten oder Stunden zu töten, nachdem sie mit der Oberfläche in Kontakt gekommen sind. Edelstahl und moderne Kunststoffe dagegen weisen diese nützliche Eigenschaft nicht auf.
Können Sie uns mehr über die klinische Studie im Selly Oak Hospital sagen?
Die erste Phase der klinischen Studien im Selly Oak Hospital, Birmingham (Großbritannien), unter Leitung von Prof. Tom Elliot begann im Jahr 2007. In ihr wurden zu verschiedenen Zeitpunkten Proben von einigen zufällig ausgewählten Kupferoberflächen genommen und mit Kontrollgegenständen verglichen. In Phase 2 der Studie wurde das Studiendesign geändert. Die Teststation wurde aufgeteilt in eine Clostridium-difficile-Kohortenstation, die eine wirkliche Herausforderung für Kupfer darstellte, und eine Hauptstation, um den Infektionsgradienten zwischen beiden Bereichen festzustellen.
Fünf Wochen lang wurden von Türdruckplatten, Wasserhähnen und Toilettensitzen an einem Tag pro Woche zu zwei verschiedenen Uhrzeiten Proben genommen. Nach den 5 Wochen wurden die Kupfer- und die Kontrollgegenstände ausgetauscht und weitere 5 Wochen getestet. Diese ungewöhnliche Überkreuztechnik wurde entwickelt, um potenzielle Verzerrungen aufgrund der Verwendung der Gegenstände an verschiedenen Stellen (und daher auf unterschiedliche Weise) zu vermeiden. Die Ergebnisse sind sehr ermutigend. Sie zeigten eine Verminderung der Gesamtkontamination auf den Kupfergegenständen um 90 bis 100 % gegenüber den Kontrollgegenständen.
Was sagen die aktuellsten wissenschaftlichen Forschungen über neue Anwendungen für Kupfer im Gesundheitswesen?
Weitere interessante Ergebnisse lassen vermuten, dass Kupfer eine effektive Barriere sein könnte, um die Verbreitung der Vogelgrippe zu vermindern. Bei dem Experiment wurden 2 Millionen aktive Einheiten des Influenza-A-Virus (einer Familie, zu der das H5N1-Virus gehört) auf ein Kupferblech der Qualität C11000 (99,9 % Reinheit) und auf ein Edelstahlblech vom Typ S30400 gegeben. Auf dem Edelstahlblech sank die Anzahl der infektiösen Vireneinheiten auf 500.000 innerhalb von 24 Stunden, das entspricht einer Verminderung um 75 %. Auf dem Kupferblech überlebten dagegen nach sechs Stunden nur 500 infektiöse Vireneinheiten. Das entspricht einer Verminderung um 99,9 %. Die Fähigkeit von Kupfer, das Grippevirus außer Gefecht zu setzen, bedeutet, dass diese Ergebnisse angesichts des Wunsches, eine mögliche Vogelgrippeepidemie einzudämmen, sehr interessant sind.
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